Geschichte und Vermächtnis

Milton Ray Hartmann hatte das Potenzial des damals neuen Mediums Film erkannt. Mit Kofferkinoapparaten machte er es den Schulen schweizweit zugänglich – eine Pionierleistung in der Erschliessung neuer Technologien für die Bildung.

Rasche technische Neuerungen haben die Genossenschaft immer wieder an ihre finanziellen Grenzen gedrängt. Dem 35-Millmeter-Format folgten 1923 kurz aufeinander die neuen Formate in 16 und 9,5 Millimetern, 1932 die Filmbreite von 8 Millimetern und 1965 schliesslich das Super-8-Format. Parallel zu diesem Wettlauf der analogen Technologien keimte das digitale Zeitalter. 1958 bauten Jack Kilby und Robert Noice unabhängig voneinander die ersten integrierten Schaltkreise.

Im gleichen Jahr schuf Milton Ray Hartmann die «Stiftung zur Förderung des Kultur-, Dokumentar- und Unterrichtsfilms». Damit wollte er seiner inzwischen bald 40-jährigen Genossenschaft und ähnlichen gemeinnützigen Organisationen im öffentlichen Interesse eine dauerhafte Finanzierung sichern. Diesen Zweck hat die Stiftung im Zug des technologischen und gesellschaftlichen Wandels aufrechterhalten und laufend den veränderten Bedingungen angepasst. Heute unterstützt die Milton Ray Hartmann-Stiftung innovative Digitalisierungsprojekte in Schule und Unterricht.

Parallel dazu hat sich die ursprüngliche Genossenschaft zur heutigen Fachagentur Educa gewandelt. Sie unterstützt das Bildungssystem bei der Qualitätsentwicklung im digitalen Bildungsraum Schweiz. Unverändert ist die ausgeprägte Bereitschaft, Vertrautes zu hinterfragen und Unbekanntes zu wagen. Mut zum Ungewissen, Vorstellungskraft und Gestaltungswille sind Grundvoraussetzungen dafür. Ihnen sind alle Mitarbeitenden von Educa verpflichtet.

«  Was wir damals schon planten, konnte erst nach Überwindung oft fast unüberwindlich erscheinender Widerstände in zäher und mühsamer Arbeit erreicht werden.  »

Milton Ray Hartmann, Memoiren 1970

Gründer

Milton Ray Hartmann wurde im Jahr 1898 in Riehen (BS) geboren. Sein Vater arbeitete als Leiter des Verkehrsvereins Basel. Der Reiseverkehr in der Schweiz erlebte seine erste grosse Blüte. Ferienorte und Transportunternehmen ganzer Landesteile schlossen sich zu Verkehrsverbänden zusammen, um gemeinsam in aller Welt Werbung zu machen. So wurde auch der Verkehrsverein des Berner Oberlandes in Interlaken gegründet. Hartmanns Vater übernahm die Stelle als Leiter. Die Familie zog nach Interlaken um, wo Hartmann seine Kindheit verbrachte.

Die wichtigste berufliche Aufgabe seines Vaters bestand darin, das Berner Oberland mit seinen Naturschönheiten und touristischen Vorzügen durch die damals verwendeten Werbemittel in aller Welt bekanntzumachen. Hartmann sammelte bereits im Kindes- und Jugendalter erste Filmerfahrung, als er seinem Vater beim Erstellen von Werbefilmen half. Seine Leidenschaft für den Film wurde durch die damals bekannten Wanderkinos weiter gestärkt. Seine erste Filmproduktion war ein Schweizer Pfandfinderfilm. Er zeigte die Tätigkeit der Jungen auf dem Hintergrund prächtiger Gebirgs- und Seelandschaften. Durch Vorträge in amerikanischen Pfadfinderkreisen sollte der Film nicht nur das Leben und die Arbeit der Freunde in der Schweiz zeigen, sondern indirekt auch für den Tourismus werben.

Gemeinsam mit seinem Vater gründete Hartmann eine Filmproduktionsgesellschaft namens «Eagle Film Enterprise». Sie produzierten innerhalb eines Jahres etwa ein Dutzend Landschaftsfilme aus verschiedenen Gegenden der Schweiz und stellten den Pfadfinderfilm fertig. Hartmann reiste in die USA für Vortragstourneen und Filmverkauf.

Aus einem Kontakt mit verschiedenen Bildungspolitikern ergab sich für Hartmann eine Zusammenarbeit. Diese Bildungspolitiker planten für die damalige Zeit ein bahnbrechendes Projekt: eine Aktion zur Aufklärung von Kindern und Jugendlichen über Gefahren verschiedenster Art unter dem Motto «Kinder, das ist gefährlich». Es sollten Filme erstellt und den Kindern vorgeführt werden. Aus den Besprechungen ergab sich, dass die «Eagle Film Enterprise» nicht den richtigen Hintergrund bilden konnte für die vorgesehene neue Aktion zur Förderung und Verbreitung des guten Films. Die hochfliegenden Pläne und Erwartungen, die Hartmann in die Firma gesetzt hatte, nahmen damit ein Ende.